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Frontal 21

Themen: Lebensversicherer wickeln Verträge ab – Angst vor dem Ausverkauf / Befristete Arbeitsverträge – Ende der Unsicherheit? / Koalition der ewigen Versprechen – Klima, Rente, Digitales / Die Profitgier der Pflegekonzerne – Auf Kosten der Alten

Kategorie
Politik Inland
Produktionsinfos
Mischcode Politik/Gesellschaft
Produktionsland
D
Produktionsjahr
2018
Beschreibung
Lebensversicherer wickeln Verträge ab Angst vor dem Ausverkauf Rund 88 Millionen Lebensversicherungen gibt es in Deutschland. Das sind mehr Verträge als Einwohner. Doch die Lieblingsaltersvorsorge der Deutschen steht gewaltig unter Druck. In den kommenden Jahren gehen die Babyboomer in Rente, gleichzeitig erwirtschaften die Versicherungen angesichts niedriger Zinsen auf dem Kapitalmarkt immer weniger. Die neueste Masche: Viele Versicherer verabschieden sich von der klassischen Lebensversicherung und wickeln ihre alten Verträge in sogenannten Run-Off-Gesellschaften ab. Bisher betrifft das 1,8 Millionen Lebensversicherungsverträge. Käufer sind Unternehmen wie die Frankfurter Leben-Gruppe. Dahinter steht der chinesische Finanzinvestor und Milliardär Guo Guangchang. Auch die Versicherungsverträge von Wolfgang Urbas, die er in den 90er Jahren beim ARAG Konzern abgeschlossen hat, sind jetzt bei der Frankfurter Leben-Gruppe. Neben dem Vertrauensverlust befürchtet der Rentner, dass er jetzt noch weniger Überschüsse rausbekommt, da ein Finanzinvestor noch mehr auf Gewinn aus sei. Die Frankfurter Leben-Gruppe teilt dazu schriftlich mit: 'Eine Gewinnerzielungsabsicht ist aus unserer Sicht auch nichts Verwerfliches, sondern ganz normal in einer sozialen Marktwirtschaft. ... Der Rückgang der Überschussbeteiligung in der Vergangenheit ist auf die lang anhaltende Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten zurückzuführen.' Wolfgang Weiler, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, betont: 'Es werden überall Unternehmen ge- und verkauft.' Das sei legal und legitim. Auch eine Run-Off-Plattform sei ein deutscher Lebensversicherer. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht dennoch Risiken: 'Die neuen Gesellschaften haben kein Interesse, den Kunden neue Produkte anzubieten. Sie sollen nur noch die Verträge abwickeln.' Da werde man diese Kunden sicherlich anders behandeln, als welche, mit denen man noch Geschäfte mache. 'Frontal 21' über die Sorge um den Ausverkauf alter Lebensversicherungsverträge. Befristete Arbeitsverträge Ende der Unsicherheit? Die SPD hat gut verhandelt, darüber sind sich alle einig. Gleich drei Schlüsselressorts in der künftigen Bundesregierung sollen an die Sozialdemokraten gehen. Ausserdem bekommen sie drei weitere Ministerien in der Grossen Koalition. Aber hat sie auch für die rund 2,8 Millionen Arbeitnehmer, die in Deutschland befristet angestellt sind, gut verhandelt? Im Öffentlichen Dienst wird inzwischen jede zweite Stelle, die neu besetzt wird, befristet vergeben. Von einem 'wirklichen Durchbruch' ist im gemeinsamen Koalitionsvertrag von Union und SPD die Rede. Wörtlich heisst es: 'Möglichkeiten der befristeten Beschäftigung werden reduziert. Sachgrundlose Befristungen werden wieder zur Ausnahme, das unbefristete Arbeitsverhältnis soll wieder zur Regel werden in Deutschland. Endlose Kettenbefristungen werden abgeschafft.' 'Frontal 21' hat nachgefragt: Was würde sich mit dem Kompromiss von CDU/CSU und SPD konkret ändern? Koalition der ewigen Versprechen Klima, Rente, Digitales 'Wir setzen uns mutige Ziele', so steht es im neuen Koalitionsvertrag von Union und SPD: So soll Deutschland 'an die Weltspitze im Bereich der digitalen Infrastruktur', die GroKo verspricht schnelles Internet von 'Weltklasse' in Stadt und auf dem Land. 'Die Rente muss für alle Generationen gerecht und zuverlässig sein.' Und auch bei der Energieeffizienz hat Deutschland Pläne auf Weltmeister-Niveau. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich: Die Ziele liegen in weiter Ferne – 2025, 2030 und 2050, wenn die aktuellen Koalitionäre vermutlich nicht mehr verantwortlich sein werden. Statt konkreter Massnahmen will die künftige GroKo Kommissionen gründen, die herausfinden sollen, wie die 'mutigen Ziele' in ferner Zukunft erreicht werden können. Damit überlässt die Grosse Koalition die eigentliche Arbeit den Bundesregierungen, die nach ihr kommen. 'Frontal 21' hat sich den Koalitionsvertrag genauer angeschaut. Die Profitgier der Pflegekonzerne Auf Kosten der Alten
Hintergrundinfos
Das Format berichtet über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen. Über die Reaktionen der Beteiligten zu den gesendeten Berichte berichtet das Reporter-Team in der Rubrik 'nachgehakt'. In 'Um Antwort wird gebeten' schreiben die Autoren einen fiktiven, kritisch-kommentierenden Brief an führende Politiker, Manager und andere Entscheider des Landes.