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Der Bürgermeister-Macher Der Bürgermeistermacher

Wahlkampf in der Provinz

Kategorie
Gesellschaft/Soziales
Produktionsinfos
gesellschaftliche Problematik/Soziale Brennpunkte
Produktionsland
D
Produktionsjahr
2017
Beschreibung
Klaus Abberger coacht Bürgermeister-Kandidaten durch den Wahlkampf. Ein Film über Haustürwahlkämpfe, Dorffürsten, strapaziöse Redetrainings und wie man das Wort Känguru richtig ausspricht Im 6000-Seelen-Städtchen Ispringen bei Pforzheim will ein Australien-Auswanderer in seine Heimat zurückkehren und den Bürgermeister ablösen. In der Schwarzwald-Gemeinde Zimmern ob Rottweil möchte gar eine Frau in das Amt des 'Schultes' gewählt werden. Etwas ratlos kurvt Klaus Abberger, 49, durchs winterliche Zimmern ob Rottweil, 6000 Seelen gross. Draussen sind es minus 14 Grad Celsius. Er ist auf der Suche nach dem Rathaus. Noch nie war er hier. Heute verschafft er sich einen ersten Eindruck. In acht Wochen soll er hier eine Bürgermeisterwahl gewinnen. Nicht er, sondern seine parteilose Kandidatin Carmen Merz, 42, Verwaltungswirtin, Geschäftsführerin in einem DRK-Kreisverband. Eine Frau! Eine absolute Ausnahme im Bürgermeisterwahlkampf in Baden-Württemberg. Der 64-jährige Amtsinhaber geht in den Ruhestand. Abberger will geräuschlos und im Verborgenen für sie die absolute Mehrheit organisieren. Er versucht es jedenfalls. Aber ist man hier im konservativen Schwarzwald bereit für eine Frau? Abberger ist 'Bürgermeistermacher', auch wenn er den Begriff nicht mag. Einer von vier Wahlkampf-Coaches in Baden-Württemberg. Seit 20 Jahren gibt es sein 'Wahlbüro 7', ein Ein-Mann-Unternehmen. Er schreibt die Reden, fotografiert, macht die Grafik für die Flyer, produziert 'Werbemittel', designt die Plakate. Zieht Fäden. Besorgt Kandidaten, wenn ihn die Gemeinde drum bittet. Ursprünglich war er Zeitungsredakteur, hat gelernt beim Schwarzwälder Boten. Über 150 Wahlkämpfe hat er für seine Kandidaten bestritten, fast 70 Prozent davon gewonnen. Er macht Wahlkampf für alle: Rote, Schwarze, Gelbe und Grüne. Rechtsextreme und AfD lehnt er ab. Ein Kandidat in einem 6000-Einwohner-Städtchen ist schnell mal über 10 000 Euro los. Das sind die Kosten für den Wahlkampf, zahlbar an Bürgermeistermacher Abberger. Wenn der Kandidat verliert, kostet es genauso viel. Auch in Ispringen, unweit Pforzheim, stehen Bürgermeisterwahlen an. Doch hier will der jetzige Bürgermeister Volker Winkel, 58, wiedergewählt werden. Abbergers Kunde ist hier der 45-jährige parteilose Bauingenieur Thomas Zeilmeier. Der war bis 2009 schon mal 'Ortsbaumeister' in dem nordbadischen Örtchen. Und nach ein paar Jahren in Australien möchte er jetzt hier 'Schultes' werden. Doch der jetzige Bürgermeister Winkel sitzt fest im Sattel. Eine richtige Unzufriedenheit im Ort über den Amtsinhaber scheint es acht Wochen vor der Wahl nicht zu geben. Schlecht für Zeilmeier. Jetzt muss Abberger in der kurzen Zeit sein ganzes Können aufbieten, um seinen Kandidaten Zeilmeier überhaupt erst ins Rennen zu bringen. Schon in wenigen Wochen wird es den grossen Showdown in der Stadthalle vor über 500 Zuhörern geben. Wer hier schwächelt, hat die Wahl verloren, weiss Abberger.