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Verlorene Kindheit – weggesperrt in der DDR

Category
Zeitgeschichte
Production information
Dokumentation
Produced in (country)
D
Produced in (year)
2022
Description
Jugendliche, die nicht ins gleichgeschaltete Raster des DDR-Regimes passen, werden verurteilt und weggesperrt. In den so genannten Jugendhäusern herrschen Willkür, Gewalt und Drill. Die Jugendhäuser sind ein bisher unbekanntes, kaum erforschtes und besonders finsteres Kapitel der DDR-Geschichte. Betroffene leiden noch heute unter den traumatischen Folgen ihrer Inhaftierung. Neben Kapitalverbrechen reichen auch weitaus kleinere Vergehen aus, Jugendliche in den Knast zu sperren: Allein das Vertreiben von westlichen Schallplatten oder der Fluchtversuch über die deutsch-deutsche Grenze sind strafbar. Elf Jugendhäuser gibt es in der DDR insgesamt. Der Vollzugsalltag ist in allen Einrichtungen militärisch organisiert. Ob zum Speisesaal, zur Schule oder zu den Arbeitsstätten: Die Gruppe der Inhaftierten darf sich nur im Exerzierschritt fortbewegen. Vor allem das Konzept der sogenannten Selbsterziehung traumatisiert viele junge Häftlinge und treibt sie sogar in den Selbstmord. Unter den Insassen herrscht eine strenge Hierarchie, nur die Stärksten setzen sich durch. Neue Häftlinge werden regelmässig mit brutalen Aufnahmeritualen gequält. Auch sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen sind keine Seltenheit. Einige der Wärter sind bei den Strafen nicht zimperlich. Bei Regelverstössen wird die 'Achterbahn' angeordnet, das endlose Marschieren im Treppenhaus. Manche Vollzugsmitarbeiter traktieren Gefangene regelmässig mit Gummiknüppeln. Unter katastrophalen und gefährlichen Bedingungen müssen die Jugendlichen oft im Drei-Schicht-System Zwangsarbeit verrichten und werden auch in Exportbetrieben eingesetzt. Westliche Firmen wie zum Beispiel IKEA profitieren davon. Nach ihrer Haft leiden die ehemaligen Strafgefangenen oft unter posttraumatischen Belastungsstörungen und Depressionen.