So etwas hat die Welt noch nicht gesehen. Eine Industrienation, die die Atomenergie aufgibt und auf Wind, Wasser und Sonne setzt. Klingt fast wie ein Wunder. Doch das ökologische Megaprojekt 'Energiewende' wirkt manchmal eher wie ein Himmelfahrtskommando. Die notwendigen Windparks auf dem Meer? Fast nicht zu schaffen. Strom aus Wasserkraft? In more... Deutschland am Rande der Kapazitäten. Der versprochene Netzausbau? Fehlanzeige. Und die massenhaften Energiespeicher? Bislang mehr Märchen als Realität. So entschlossen die Bundesregierung aus der Kernenergie ausgestiegen ist, so flickenteppichartig wirkt nach wie vor ihr Masterplan in Sachen Energiewende. Dabei hängen Industrie, Alltag und Wohlstand vom Gelingen des gigantischen Projekts ab. Anja Reschke geht der Frage nach: 'Können wir es noch schaffen?' Sie besucht den weltweit ersten Offshorepark in der Nordsee und erlebt, wie man dort sehr schnell die Hoffnungen dämpft. Sie besucht eine überlastete Netzleitzentrale, in der man ihr die Gefahren steigender Stromausfälle aufzeigt. Sie bereist eine Region, die vom Biogaswahn gebeutelt ist. Und als sie den Erfinder einer neuen Speichertechnologie trifft, von der sogar Angela Merkel schwärmt, erlebt sie nur, wie der zurückrudert. Alles noch nicht serienreif. Wir brauchen Energie - viel Energie. So erfährt Reschke, wie man fast schon verzweifelt die letzten Reste an Wasserkraft aus deutschen Flüsschen zusammenkratzt. Von einem deutschen Pumpspeicher-Vertreter wird sie auf die Grenzen dieser Technologie in Deutschland verwiesen und nach Norwegen geschickt, wo Rettung nahen soll. Dort hofft auch die Bundesregierung auf die Speicherkraft der gigantischen Bergseen. Doch die norwegische Politik winkt ab; es gäbe ja noch nicht einmal Kabel. Und so erscheint Reschkes Reise durch die deutsche Energiewende ein bisschen wie ein Abzählreim: jede Runde weiter ein Hoffnungsschimmer weniger.